Was bleibt
Nehmen Sie einem Bild die Farbe und sehen Sie, was bleibt. Bleibt nichts, existiert das Foto nicht. Bleibt ein Blick, eine Spannung, ein Licht, dann halten Sie etwas Lebendiges in den Händen. Schwarzweiß ist die Wahrheitsprobe des Porträts: Es verzeiht weder die leere Pose noch das faule Licht.
Diese Serie ist die letzte, die Andrea und ich zusammen gemacht haben. Es ist die, die ich am liebsten mit ihr geschaffen habe. Die Idee war einfach: die Farbe wegnehmen, sonst nichts. Die Kulisse behalten, das Gesicht behalten, und das Licht formen lassen, was bleibt. Andrea brauchte Distanz, um nah sein zu können. Das Objektiv war genau das: die richtige Distanz. Davor konnte sie alles geben, gerade weil etwas zwischen uns stand. Ich dahinter, sie davor, und dazwischen das Licht. Vielleicht bin ich ihr dort, und nur dort, wirklich begegnet. Und das muss irgendwo geschrieben stehen: Wenn ich die Kamera heute sicherer halte, dann weil sie davor stand. Man lernt dieses Handwerk mit jemandem. Ich habe es mit ihr gelernt.
In der Bearbeitung behandle ich meine Schwarzweißbilder wie Film: ein Korn, präsent, aber fein, tiefe Schwärzen, die nie zulaufen, Lichter, die atmen. Die analoge Anmutung ist kein nostalgischer Filter. Sie ist eine Art, dem Bild eine Materie zurückzugeben, die das Digitale allzu gern glättet. Das Korn ist die Zeit, die am Bild haften bleibt.
Schwarzweiß gehört zu jedem Book, das ich aufbaue. Es ist oft das Bild, das Agenturen im Gedächtnis behalten, weil es das einzige ist, bei dem man nicht schummeln kann.
Diese Bilder heute wieder anzusehen, macht etwas mit mir, das ich nicht zu erklären versuche. Ein Kapitel endet, die Bilder bleiben. Genau das sagt das Schwarzweiß: Man nimmt alles weg, und was zählt, ist noch da. Man behält diese Bilder nicht, um die Vergangenheit festzuhalten. Man behält sie, weil sie beweisen, dass es wahr war.


