Das Licht, das man nicht erfindet
Es gibt Licht, das man nicht erfinden kann. Wir kamen um sechzehn Uhr in Cala d'Or an, ohne jede Vorbereitung. Ich hatte zehn Minuten, um den Ort zu lesen: die Bucht, der weiße Stein, die Sonne schon tief. Keine Zeit für Zweifel. Wir fotografierten sofort, in diesem Licht des späten Tages, das sich auf den Fels legt und zu Materie wird.
Wir waren längst über die ersten Versuche hinaus. Andrea kannte meine Ansprüche an die Arbeit. Sie wusste, dass zwischen zwei Bildern nichts gesagt werden musste, nur ein halber Schritt zurück an den Platz, der Stoff, der fallen darf. Wenn alles schnell geht, rettet genau diese Vertrautheit eine Serie: Niemand erzwingt etwas, jeder hört zu. Es blieb nur noch, auszulösen.
In der Ausarbeitung habe ich behalten, was der Ort uns gab: warme, gehaltene Töne, ein analoges Korn, echte Haut. Nichts Glattes. Wer diese Bilder ansieht, soll spüren, wie spät es war, die Wärme auf dem Stein, das Salz in der Luft.
Dafür gibt es dieses Heft: sich zu erinnern, wer die Menschen waren in dem Moment, in dem das Bild entstand. Diese Bilder sind auch das Porträt einer Zeit, und jener Frau, die als Erste mit mir lernte, dem Licht zu vertrauen.


